Wie ein Ältester ist
Geseko von Lüpke zeichnet das Bild eines herzerwärmenden, schulterklopfenden, augenblitzenden Elders
Wie stelle ich mir einen Ältesten vor?
Als jemand, der wachen Blickes die Welt verfolgt, aber sich nicht mehr überall einmischt.
Als jemand, den man sich - wenn man moderierend vor einer Menschenmenge steht - als Gegenüber im Blickkontakt aussuchen kann und sofort gestützt und gehalten wird.
Als jemand, der mit blitzenden Augen gute Dinge verfolgt, von Menschen in die Welt gebracht, die halb so alt sind wie er - und der allein schon mit diesen blitzenden Augen ihnen einen Segen gibt.
Als jemand, der schon Unglaubliches auf die Beine gestellt hat, und der überhaupt nicht davon erzählt.
Als jemand, über den man überall respektvoll und in Dankbarkeit redet, aber der das überhaupt nicht weiß - oder zumindestens so tut.
Als jemand, der mit der ganzen Fülle seiner Erfahrung andere bei ihren Projekten unterstützt, ihnen ehrlich Feedback gibt, sie lobt und kritisiert - nicht weil er sich wichtig machen will, sondern einfach um der Sache willen.
Als jemand, der den Mut hat, bei manchen Dingen, die einfach zuviel Kraft kosten würden, klar und deutlich „Nö!" zu sagen - weil er ohne Trauer annehmen kann, dass dies und das in diesem vollen, langen, reichen Leben nicht auch noch sein muss.
All diese Dinge finde ich in Declan.
Als wir uns 1998 das erste Mal begegnet sind, war ich auf einer Recherchereise durch die wichtigsten Ökodörfer und alternativen Lebensgemeinschaften in Deutschland - und natürlich auch im Lebensgarten Steyerberg.
Von Declan hatte ich immer wieder gehört, wie als einer bunten (eben nicht grauen) Eminenz der ganzen Bewegung. Und ich dachte: „Mensch, ich kann doch nicht den globalen Papst fragen, wenn's mir eigentlich nur um den Kleingarten geht..."
Als ich dann vor seiner Tür stand und mich zu klingeln wagte, so ganz und gar ohne Voranmeldung, einfach auf gut Glück - „Hallo, hier ist der Reporter vom Bayrischen Rundfunk, der gerne ..." - da wurde mir einfach die Tür aufgetan, ein Tee gemacht, ein Stuhl in einem sonnendurchfluteten Raum und Zeit für ein Gespräch angeboten und am Ende noch ein Buch über Gemeinschaftsarchitektur geschenkt. Und ich zog staunend und bereichert wieder von dannen.
Seitdem war ein unsichtbarer Faden zwischen uns gespannt. Wenn ich von Declan hörte, dann war da ein Lächeln im Gesicht, ein Wissen um jemand, der schon so viel länger an den wesentlichen Fragen dran ist, der nicht müde wird, Dinge in die Welt zu bringen, der einfach Mut macht fürs Weitergehen und neugierig macht aufs Älterwerden.
Lange habe ich ihn nicht gesehen, bis er dann plötzlich im Münchener Goethe-Institut saß bei der von mir organisierten Konferenz mit 14 Alternativen Nobelpreisträgern. Und, wie das mit Ältesten so ist: Als ich ihn im Publikum sah und realisierte, dass er gekommen war wegen etwas, was ich auf die Beine gestellt hatte, da wusste ich: Ich hatte es gut gemacht, das wird klappen. Ohne ein Wort von ihm, einfach auf Grund seiner Anwesenheit. .... und so war's dann auch, mit kurzen, aber wunderbaren Gesprächen zwischen uns und einem Kontakt auf Augenhöhe, gegenseitigem Respekt: Es hatte ein bißchen was von einer geklärten Vater-Sohn-Energie - gut tuend, wärmend, bestärkend.
Dann habe ich irgendwann von Gaia University gehört und gedacht: Geil, saugut, genau die richtige Idee. Und wer steckte dahinter?? - Declan!
Dann so ein Anruf, einfach so, ob ich nicht dabei sein wollte, zwischendurch mal Projekte mit zu unterstützen, zu coachen, Studierende mit zu betreuen ...
Bisher ist zwar nichts daraus geworden, aber es hat mein Selbstbild verändert, eine neue Identität angestoßen, mich nicht mehr nur als Journalisten zu sehen, als Dolmetscher für tolle andere Leute, sondern als Lehrer, der selber was zu sagen hat.
Ja und schließlich sein Besuch hier in München, der Blick auf das Ökodorf-Projekt Romenthal, was uns dann die Amigos von der Staatskanzlei weggespezelt haben. Ein klarer Blick auf's Finanzierungskonzept, Ratschläge aus der Tiefe von Jahrzehnten Gemeinschaftserfahrung, ein liebevoller Blick auf die innere Permakultur - und damit wieder so ein wärmender Schlag auf die Schulter und ohne Worte die Botschaft: „Gut so, macht weiter, die Richtung stimmt!"
Ein Ältester halt, der seine Rolle angenommen hat, der zu wichtig ist, um sich wichtig nehmen zu müssen.
Einer, dessen Herz mit zunehmendem Alter zu wachsen scheint.
Einer, von dem ich stolz bin, ihn in meinem Leben zu wissen. Gar nicht immer und dauernd, aber als Gegenüber mit blitzenden Augen, als wärmende Hand auf der Schulter, als lachendes Gesicht angesichts der verrückten Welt, als Mitfühlenden und Handelnden.
Danke, dass es Dich gibt,
sagt
Geseko von Lüpke
Journalist
v.luepke@geseko.de