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Ökologisch Planen und Bauen mit Permakultur

In einem Artikel in der Baseler Zeitung fassen Margrit und Declan erstmalig zusammen, was sie von der Permakultur für die Architektur gelernt haben

Ein besonders gut gelungener Artikel, der 1984 in der Baseler Zeitung (Nr. 40, S. 10-15) erschienen ist, kombiniert das, was Margrit und ich im ökologischen Planen und Bauen entwickelten, mit dem, was wir von Bill Mollison und David Holmgren dazu gelernt haben. Im Folgenden zitiere ich einige Paragraphen aus diesem Artikel, um zu zeigen, dass die Grundprinzipien und die Vision der Permakultur heute - 25 Jahre später - noch immer Gültigkeit besitzen:

...Sehen wir uns die Planungsfehler der Nachkriegszeit an, so fällt als erstes der Trend zu großen, linearen Systemen, eine immer stärkere Trennung von Funktionen und die Entwicklung von Monokulturen auf. Das Resultat ist eine Verarmung und Gefährdung unserer biologischen Lebensgrundlagen und eine wirtschaftliche und ökologische Krisensituation, die das Ende dieser Entwicklung anzeigt. Von den wichtigen natürlichen Ressourcen frische Luft, frisches Wasser, Energie, gesunder Boden und Nahrung haben wir immer weniger. Von den Abfallprodukten - Abluft, Abwärme, Abwasser, Abfälle - haben wir immer mehr.
Was ist zu tun? Wenn wir auf Dauer überleben wollen, müssen wir - wie uns die Natur das immer wieder auf neue Weise zeigt - geschlossene und vernetzte Kreisläufe herstellen. Dass dies leichter gesagt als getan ist, weiß jeder, der einmal versucht hat, aus der Falle der omnipotenten linearen Ver- und Entsorgungssysteme herauszukommen, um etwa sein eigenes Trinkwasser, seine eigenen Nahrungsmittel, seinen eigenen Strom oder die Abfallbeseitigung selbst zu besorgen. Die Hindernisse sind schier unüberwindlich.
Das wird auch nicht einfacher, wenn wir Öko-Spezialisten heranziehen, die versuchen, Alternativen im Bereich Wasser, Energie, Abfälle usw. zu erarbeiten, und die dabei wieder denselben Fehler begehen wie ihre „unökologischen" Vorgänger, nämlich jedes Problem für sich allein, das heißt linear lösen zu wollen.
Diese Ansätze führen uns in die nächste Sackgasse. Eine zentrale Kompostierung von organischen Abfällen ebenso wie eine zentrale Erzeugung von Heizenergie oder eine zentrale Abwasserbeseitigung sind weder wirtschaftlich, noch heute oder in Zukunft wünschenswert. Was wir erreichen müssen ist die Rückkehr zum Prinzip der Eigenverantwortung und des Eigennutzens, was eine überschaubare Dezentralisierung verlangt...
In einer „Dauerkultur" wird sich der Mensch als integraler Bestandteil eines geschlossenen Ökosystems betrachten und sich zusammen mit Pflanzen, Tieren, Böden und allen erneuerbaren Ressourcen in Kreisläufe eingliedern, die solange funktionieren, wie es regnet und die Sonne scheint.
Die heute noch bestehenden „dauerhaften Landwirtschaften" wie die traditionellen landwirtschaftlichen Systeme in Asien, die Jahrtausende überlebt haben, basieren auf einer dezentralen, kleinräumigen Struktur mit in sich geschlossenen, untereinander vernetzten Ökosystemen. Eine den lokalen und regionalen Bedürfnissen angepasste pflanzliche und tierische Polykultur versorgt die Bevölkerung sowohl auf dem Lande wie auch in der Stadt.
Darüber hinaus verbinden Permakultur-Entwürfe rationale Produktionsmethoden mit neuen Erkenntnissen und Methoden von Energie- und Wasserver- bzw. -entsorgung sowie Architektur und Städtebau. Sie zeigen auf, wie der Mensch heute mit der Natur arbeiten kann statt gegen sie, und wie er mit einem Minimum an Arbeit ein Maximum an Ertrag in Form von Nahrung, Energie, usw. erzielen kann.
Das wichtigste Prinzip für Permakultur-Systeme ist, dass jedes Element verschiedenen Funktionen dient und nicht nur größtmögliche Flexibilität und Stabilität gewährleistet, sondern auch die Summe aller Erträge vergrößert, weil eine Tier- oder Pflanzenart niemals alle vorhandenen Energien und Nährstoffe in einem System gebrauchen kann.
Das Beispiel „Nahungsmittelversorgung heute und morgen" soll deutlich machen, dass es nicht um einzelne Techniken geht, sondern um eine Strategie, die Zeit, Raum und Energieeinsatz berücksichtigt.
Die meisten alten landwirtschaftlichen Systeme sind imstande, mit Hilfe von Sonnenlicht und natürlichen biologischen Wachstumsprozessen aus 100 Einheiten eingesetzter Energie etwa 300 Energieeinheiten in Form von Nahrung zu erzeugen. Mit unseren heutigen „modernen" landwirtschaftlichen Methoden, großflächigen Monokulturen, dem Einsatz von Maschinen, Kunstdünger und Pestiziden haben wir es insgesamt bestenfalls auf ein Verhältnis von 100:10 Energieeinheiten gebracht. Das heißt, wir verbrauchen ständig zehnmal mehr Energie als wir produzieren - weil wir gegen die Natur arbeiten, nicht mit ihr.
Dazu kommen noch die enorm hohen Kosten für Lagerung, Verpackung und Transport, die sich aus dem zentralisierten Anbau und der Verteilung von Nahrungsmitteln ergeben. Sie machen z.T. mehr als 95 Prozent der Energie aus, die wir benötigen, um Lebensmittel auf dem Tisch zu bringen. Damit gelangen wir zu einem Verhältnis von Gesamtenergieeinsatz zu Ertrag von 100:1. Ein solches System kann aufgrund unveränderlicher thermodynamischer Gesetze (Entropie) auf Dauer keinen Bestand haben.
Weitere Probleme sind ein rapider weltweiter Rückgang von landwirtschaftlich produktiven Flächen durch Erosion und sauren Regen und das rücksichtslose Abholzen von großen Waldflächen.
Ein Permakultur-Entwurf versucht nun, eine Lösung zu finden, die sowohl global wie auch lokal stimmt, für jeden anwendbar ist, und die jeweiligen geographischen, klimatischen und sozialen Bedingungen berücksichtigt.
Uns interessiert besonders die Anwendbarkeit in Städten, denn dort leben sowohl in hoch industrialisierten Ländern wie auch in Ländern der 3. Welt die meisten Menschen. In den Städten gibt es vermutlich eines nicht zu fernen Tages die größten Versorgungsengpässe. Wenn sich für diese Problemsituation praktikable Lösungen für Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln aufzeigen ließen, wäre dies ein wirklicher „Fort-Schritt" von einer landwirtschaftlichen Energieverschwendung, die nur ins Chaos führen kann bzw. geführt hat.
Stattdessen wollen wir zeigen, wie die „Vernetzung" vieler Gesichtspunkte - Energieeinsparung, Wasserrecycling, Schaffung eines grünen Zimmers für Freizeit und Erholung u.a. - aussehen kann, und dies an einem Beispiel verdeutlichen...

Hier folgte in dem Artikel das Beispiel des Gewächshauses von Sonja Wallman, das in Berlin zum Beipiel das Gewächshaus auf dem Frauenstadtteilzentrum in Berlin-Kreuzberg, aber auch unser eigenes Anlehngewächshaus im Lebensgarten Steyerberg inspiriert hat. Es ist jahrelang immer wieder fotografiert und gefilmt worden und taucht in zahllosen europäischen Publikationen zum Thema ökologisches Bauen und Wohnen auf.
Insgesamt hat das Denken in Permakultur-Kategorien inzwischen weite Kreise gezogen. Wir sind froh und dankbar dafür, dass wir relativ früh mit diesem Konzept in Berührung gekommen sind und dass wir die Chance hatten, es mit zu verbreiten und für unsere Klimazonen zu erproben.

 

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Prof. Declan Kennedy Ginsterweg 5 D-31595 Steyerberg +49 (0) 57 64 / 21 58 kennedy@declan.de