Mein kurzer Weg zu Kennedys
Kathleen Battke erzählt, wie ein fröhlicher Abend, ein Traum und die Kooperation mit Margrit den Weg zu Gaia University bereitete
Alles begann mit einem Traum:
In der Nacht nach meiner ersten persönlichen Begegnung mit Declan Kennedy trat ich eine Stelle in seinem Architekturbüro an. Ich sollte seine Stellvertreterin werden, vielleicht seine Partnerin. Ich betrat das Büro, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - vielleicht zehn - begrüßten mich mit Freude. Zeigten mir bereitwillig die Garderobe für meine Jacke, die Räume, wer was tut. Dann wollten sie mich zu Declan geleiten. Plötzlich fiel mir Thomas ein; er war mitgekommen, und ich wusste, dass es ihm nicht gut ging. Ich blieb stehen: „Aber mein Mann..." „Keine Sorge", sagten die Frauen, „wir kümmern uns um ihn." Dabei schoben sie mich sanft aus dem großen Zeichen-Büro; ich drehte mich noch einmal um und sah dabei Thomas auf einem der Zeichentische liegen. Ich wusste, er war gut aufgehoben, und ging dann mit Kraft und Enthusiasmus an meine neue Arbeit.
Das war in der Nacht vom 22. auf den 23. August 2004.
Es war kein langer Weg zu Kennedys gewesen:
Thomas und ich waren mit dem Lebensgarten Steyerberg seit einer Mediationskonferenz im Jahr 2000 in Kontakt; seitdem kamen wir hin und wieder her. Wir waren bereit für ein Leben in Gemeinschaft und begannen zu überlegen, ob wir hier unsere Zelte aufschlagen wollten. Während eines Besuchs sprachen wir mit Christoph Hatlapa über Möglichkeiten für Thomas, als Mediator in der Region zu arbeiten. Als Christoph gehört hatte, was wir tun und mitbringen, sagte er: „Eigentlich müsstet ihr mit Kennedys reden."
Das blieb lange ein „Eigentlich".
2004 starteten wir schließlich unsere dreimonatige Glücksucher-Reise - mit dem Wohnwagen und der Frage „Was brauchen wir zum Glück?" quer durch Deutschland. Zum Teil hatten wir Termine mit Menschen, von denen wir unbedingt eine Antwort hören wollten, zum Teil fragten wir Leute auf der Straße oder ließen uns von Empfehlungen weiter tragen.
Als letzte Wunsch-Gesprächspartnerin vor unserer Rückkehr nach Hause stand Margrit Kennedy auf unserer Liste. Wir hatten von ihren Geldreform-Aktivitäten gehört und fanden es passend, sie zu besuchen, während wir vor der Heimkehr noch ein paar Tage im Lebensgarten verbrachten. Das war eben Ende August.
Wir hatten keinen Termin vereinbart. „Wir gehen einfach hin", entschied Thomas.
Wir klingeln. Beide Kennedys tauchen hinter der gläsernen Haustür auf - erst Declan, dann Margrit. Declan öffnet die Tür; freundlich. Ein sanft neugieriger Blick direkt in die Augen. „Zu wem von uns wollen Sie denn?" fragt Margrit hinter ihm, „haben Sie nun einmal oder zweimal geklingelt?" Der Ton ist unwirsch.
„Zu Ihnen", antwortet Thomas ihr, „wir sind die Glücksucher und möchten mit Ihnen darüber sprechen, ob anderes Geld glücklicher machen würde als das, was wir haben."
„Wissen Sie", gibt Margrit ungeduldig zurück, „ich habe im Moment überhaupt keine Zeit für so was; hunderte von E-mails sind zu bearbeiten und außerdem muss ich einen Text fertig editieren. Das passt mir jetzt wirklich gar nicht."
Einen Moment ist Schweigen; Declan steht wortlos da zwischen ihr und uns, sein Gesicht, seine Haltung sagen „Sorry...".
Schließlich nehme ich Thomas unsere Glücksucher-Projektskizze aus der Hand, lege sie mit einem Rums auf die Holzkiste vor der Haustür und sage: „Sie können sich das ja mal durchlesen und sich melden, wenn Sie dazu kommen. Wir sind noch ein paar Tage hier. Komm, Thomas, wir wollen nicht stören." Und gehe.
Thomas folgt mir. Ich spüre im Rücken: er hätte nicht so schnell aufgegeben.
In der Nacht dann dieser Traum. Beim Aufwachen spüre ich noch die Freude darüber, in Declan einen Mentor gefunden zu haben, der so bedingungslos an mich glaubt und mich in große Aufgaben einweiht.
Am nächsten Morgen geht Thomas noch einmal hin (ich hätte es vielleicht nicht getan...). Kommt zurück mit einer Einladung zum Tee am Nachmittag.
Jetzt fließt es. Wir sitzen zu viert im Wintergarten, selbstverständlich ist Declan dabei. Kennedys haben ganz offensichtlich Freude gefunden am Thema Glück, an der Idee, dass sie als glückliche Menschen befragt werden. Es tut ihnen gut, einmal nicht nur über Probleme, Geldkrise und Umweltnöte zu reden, sondern sich über die gesegneten Seiten des Lebens Gedanken zu machen, sie mit fast Fremden wie uns zu teilen. Sie nehmen sich die Zeit, unseren Impuls genau so zu nutzen, wie wir uns das gewünscht haben: Als Möglichkeit zur Reflektion, zum Innehalten und zur Dankbarkeit. „Wir konnten eigentlich immer machen, was wir wollten", sagen sie, und: „Glück ist, Gestaltungsfreiheit zu haben."
Es wird ein langes, fröhliches, inniges Gespräch - vom Tee im Wintergarten zu Pizza und Wein beim Italiener am Abend. Hier legen wir die Saat für die gemeinsame Arbeit an Margrits Lebensgeschichte rund ums Geld, die wir später im Jahr und 2005 aufgehen ließen (die Ernte steht noch aus - die Früchte sind weise genug, um auf den richtigen Zeitpunkt dafür zu warten).
Abends um 10, nach sechs Stunden voller Geschichten, Lachen und fast geschwisterlicher Nähe, wünschen wir einander eine gute Nacht. Wir wissen jetzt, dass unsere Begegnung kein Zufall ist.
Während mich mit Margrit das Frau-Sein verbindet und ich unsere Beziehung als komplementär wahrnehme - ich gebe ihr mit meiner Ruhe den Raum und Resonanzboden, den sie als energiegeladene Alpha-Frau braucht, um sich kreativ zu entfalten; bin das Gegenüber, das mit selbstbewusstem Fragen und unabhängigem Zuhören ihre Gedankenkraft unterstützt -, fühle ich mich Declan energetisch verwandt. Es ist nicht nur seine irische Herkunft, die mich für ihn einnimmt als eine, die in Irland ihre seelische Heimat weiß. Es ist auch das Weiche, Sanfte, das Helle und zugleich Energiegeladene, das mich bei ihm zu Hause sein lässt.
Das folgende Jahr arbeite ich überwiegend mit Margrit zusammen, tauche in die Regionalwährungsthematik ein, begleite sie auf Vortragsreisen. Declan erlebe ich eher am Rande - auf den Versammlungen der Regiogeld-Bewegung, bei Margrits Vorträgen, bei Besuchen im Lebensgarten. Er dient Margrits Mission mit dem Aufbau und der Koordination eines Netzwerks, das schließlich die Regiogeld-Bewegung in Gang setzte.
Schon damals sagt Margrit: „Wenn es einen Preis für Frauenförderung gäbe, müsste Declan ihn kriegen. Ich kenne niemanden, der ihn mehr verdient hätte. Er hat immer Frauen nach vorne gebracht."
Ich sehe aus den Augenwinkeln, wie er als Menschenmagnet wirkt. Immer sind Leute um ihn. Oft junge, die ihm mit leuchtenden Augen zuhören. Die Energie im Erzählen, die Begeisterung für die Projekte stecken an. Es ist, als würden sich viele Menschen in seiner Nähe aufhalten, um ihre Batterien aufzuladen, um sich in seiner Energie zu sonnen und etwas davon zu speichern. Ja - Declan ist die Sonne, und er zieht die Solarzellen an, die sein Feuer speichern und als Wärme, als Spannung, als Energieimpuls weitergeben.
Im März 2006 bin ich in der Fußgängerzone von Bad Honnef unterwegs, als mein Handy klingelt. Declan. „Ich habe hier ein ganz tolles neues Projekt, Gaia University. Im Juli ist der erste Workshop hier im Lebensgarten, da soll es richtig losgehen. Ich brauche noch ein paar Teilnehmer. Kannst du mir bei der Öffentlichkeitsarbeit helfen?"
Ich konnte. Und vor allem: Ich wollte. Wegen des Themas - Initiativen für neue Bildung sind ein roter Faden in meinem Lebensengagement -, aber auch wegen Declan. Ich freute mich darauf, endlich auch mit ihm zusammenzuarbeiten.
In den nächsten Wochen hatten wir regen Austausch per Telefon und E-mail, flüssig und reibungslos und ideensprühend lief die Koordination von Pressearbeit, die Abstimmung von Texten, das Zusammenstellen von Kontaktlisten.
Im Juni dann, als das meiste getan war, sagte Declan in einem unserer Telefonate: „Es wäre ja schön, wenn du dann über den Workshop auch hinterher etwas schreiben könntest. Dafür ist es natürlich gut, es mitzuerleben. Willst du nicht kommen und dabei sein? Als Dank für die Arbeit lade ich dich ein."
Ja.
An einem lauen Sommerabend im Juli 2006 liefen Thomas und ich mit unserem Glücksucher-Wohnwagen im Lebensgarten Steyerberg ein, und wenig später saß ich mit 20 Menschen in einer energiegeladenen, erwartungsvollen Runde.
So begann unser gemeinsamer Weg mit Gaia University.
Kathleen Battke
Biografin
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