Nicht zu fassen! Professor Declan, das Chaos und die Freiheit
Alexander Wittkowski erinnert sich an die wilden 70er an der TU Berlin
Once upon a time...
... als wir noch versuchten, aus der patriarchalisch-autoritären Technischen Universität Berlin eine demokratische Institution zu machen, gefiel es im Jahre 1975 in deren Konzil einer Koalition aus StudentInnen, wissenschaftlichen MitarbeiterInnen und - oh Wunder - einigen beherzten jüngeren Professoren, Declan Kennedy zum 2.Vizepräsidenten der TU Berlin zu wählen. Er sollte sich um Angelegenheiten der Lehre und damit einem Hauptanliegen der Studenten kümmern.
Ich kannte ihn vorher kaum: ein Ire ( vielleicht sogar mit der IRA im Bunde?), ein Architekt (ein Chaot aus einem in den 70er Jahren absolut chaotischen Fachbereich, der es schaffte, sogar einen Oswald Mathias Ungers zu vergraulen?), und dann auch noch immer lächelnd (was verbarg sich wohl dahinter?)... Ich war skeptisch.
Doch zeigte sich bald, dass Declans Art die Dinge zu betrachten und - gestützt auf einen weiteren Architekten, den ehemaligen Studenten Rieseberg - wenigstens ansatzweise in der Kommission für Lehre und Studium durchzusetzen, von einer Vision des Studierens ausging, die ebenso faszinierend wie TU-fremd war.
Er blieb nach meinem Weggang nach Bremen noch ein Jahr im Amt. Irgendwo trafen wir uns wieder und er erzählte, er habe seine Professur aufgegeben, um endlich frei seine Ideen verfolgen zu können. Meine erste Reaktion: Ein Professor einer deutschen Universität gibt seine sichere Stelle auf - nicht, um in der Wirtschaft oder einem Architekturbüro noch mehr Geld zu machen, sondern seiner Freiheit zuliebe. Nicht zu fassen!
Und nun erfahre ich, dass der gleiche Declan auch noch eine neue Universität gegründet hat. Während meine Freunde und ich uns mit den GAIA-Thesen von James Lovelock, Lynn Margulis und Elisabet Sahtouris zwar sehr ernsthaft, aber doch eher theoretisch beschäftigen, gründet Declan einfach eine Gaia-Universität. Nicht zu fassen!
Alexander Wittkowsky
1970-77 Rektor der TU Berlin, danach Rektor der Universität Bremen
Alexander.Wittkowsky@t-online.de